Die auch in diesem Wintersemester digitale Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn unter Leitung von Prof. Dr. Herbert Haslinger stellt „Denkerinnen und Denker, die uns heute etwas zu sagen haben“ in den Mittelpunkt. In der zwölften online-Vorlesung am 24. Januar 2022 um 18 Uhr spricht Prof. Dr. Michael Quisinsky, Professor für Systematische Theologie an der Katholischen Hochschule Freiburg i. Br., über Marie-Dominique Chenu.
Der französische Dominikanerpater Marie-Dominique Chenu war für viele Repräsentanten der römisch-katholischen Kirchenobrigkeit und ihrer vatikanischen Dikasterien sicher so etwas wie ein Enfant terrible. Sein 1937 erschienenes Werk über eine Erneuerung der Theologie wurde auf den Index gesetzt und er selbst mit einem Lehrverbot belegt bzw. als Rektor seiner Ordenshochschule abgesetzt. In den 1950er Jahren disziplinierte man ihn von Seiten Roms erneut mit Strafmaßnahmen wegen seines Einsatzes für die Arbeiterpriester. Das führte unter anderem dazu, dass Chenu, obwohl er gemeinsam mit Karl Rahner, Yves Congar, Edward Schillebeeckx, Joseph Ratzinger und anderen zu der Riege der großen Theologen der Konzilszeit zählt, nicht als offizieller Berater auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil fungierte. Und trotzdem war er für dieses von entscheidender Bedeutung. Die von ihm initiierte „Botschaft der Konzilsväter“ gab dem Konzil zu dessen Beginn den Impuls, die Wende der Kirche von der bis dahin gültigen Weltverneinung hin zur Weltbejahung zu vollziehen. Dieser Einsatz für ein konstruktives, wertschätzendes Verhältnis der Kirche zur Welt bildet den durchgängigen Grundton seiner Theologie.