Menschen handeln rituell – das scheint zu den zentralen Konstanten menschlicher Kultur zu gehören. Oft ist es die Religion, die rituelle Angebote bereithält und Handlungsräume schafft: Im Falle des Christentums besonders im Rahmen der Liturgie. Trägt die rituelle Dimension des Religiösen damit einem menschlichen Grundbedürfnis Rechnung – und tut sie das auf eine humane Weise? Vor dem Hintergrund dieser Frage entwickelt die Vorlesung eine ritualtheoretische Perspektive auf die christliche Liturgie. Sie kann dabei helfen, die Chancen und Potentiale, aber auch mögliche Schattenseiten und Gefahren des Rituellen sichtbar zu machen und damit einen Beitrag zur Entwicklung einer humaneren Liturgie zu leisten: Denn das Rituelle ist zwar menschlich, aber gerade deshalb ist es nicht harmlos.
Prof. Dr. Benedikt Kranemann ist seit 1998 Professor für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät Erfurt. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der wissenschaftlichen Reflexion und Begleitung der Liturgieentwicklung vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Gegenwart, aber auch globaler und interreligiöser Perspektiven.