Montagsakademie

(In-)humaner Glaube

Licht und Schatten in der Religion

Ist Glaube, ist Religion human – oder vielmehr inhuman? Die Frage spiegelt die Vielfalt und Ambivalenz der Erfahrungen wider, die Menschen mit Glaube und Religion machen und machen können.

Viele Menschen erleben Religion als stützende und schützende, als befreiende, sinn- und gemeinschaftsstiftende Kraft in ihrem Leben. Es gehört zum Selbstverständnis und zum eigenen Anspruch vieler Religionen, einen wichtigen, vielleicht sogar entscheidenden Beitrag zur vollen Entfaltung der menschlichen Person und zur Humanisierung menschlicher Gesellschaften zu leisten. Auch die katholische Kirche hat sich dies zum Auftrag gegeben: In der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes definiert sie ihre eigene Sendung „als eine religiöse und gerade dadurch höchst humane“ (Gaudium et Spes 11).

Dem stehen Erfahrungen gegenüber, dass Religion mitunter eine unheilvolle Rolle im Leben von Menschen und Gesellschaften spielt. Glaube und Religion können Deutungs- und Handlungsmuster legitimieren, die Menschen klein machen, entmündigen oder dehumanisieren. Sie können unheilige Allianzen mit Kräften und Tendenzen eingehen, die Menschen zum Objekt degradieren und der Gefahr von Gewalt aussetzen. Das hat nicht selten dazu geführt, dass Religion ganz allgemein – oder Charakteristika einzelner Religionen, wie etwa bestimmte Gottesbilder oder konkrete Glaubenssätze – in den Verdacht gerieten, inhuman zu sein.

 

Die Montagsakademie des Wintersemesters 2026/27 spürt diesen Ambivalenzen des Religiösen nach und fragt zugleich nach Möglichkeiten des Umgangs damit. Sie tut dies, indem sie meist mit Fokus auf das Christentum, aber auch mit Seitenblicken auf andere Religionen versucht…

… Licht und Schatten in der Religion – sowie die zahlreichen Grautöne und Schattierungen dazwischen – zu benennen und zu beschreiben.

…Maßstäbe und Strategien zu entwickeln, wie religiös Handelnde die humanisierenden Potentiale des Religiösen zur Geltung bringen und umgekehrt die Gefahren des Religiösen erkennen und einhegen können.

 

Dabei nehmen die Vortragenden jeweils konkrete Felder religiösen Denkens und Handelns in den Blick:

  • Schrifthermeneutik
  • Gottes- und Menschenbilder
  • Theologie(n)
  • Ethik
  • Kultur
  • Spiritualität
  • Interreligiöser Dialog
  • Psychische Gesundheit
  • Liturgie und religiöse Rituale
  • Sprache und Wirklichkeitsdeutung

Zur Geschichte der Montagsakademie

Die Montagsakademie ist eine öffentliche Vorlesungsreihe der Theologischen Fakultät Paderborn und ging aus der im Wintersemester 1994/1995 ins Leben gerufenen Seniorenakademie hervor. Als lebendiges Forum konzipiert stellen sich renommierte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Kirche in jedem Wintersemester einem ausgewählten Thema oder einer aktuellen Fragestellung der Zeit, treten in einen Dialog miteinander und mit dem Publikum ein und versuchen, aus ihrer Expertise heraus Probleme zu analysieren bzw. Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Die Vorträge werden jährlich als wissenschaftliche Publikation herausgegeben. Sie finden in jedem Wintersemester immer montags um 18.00 Uhr statt, wechselnd als Präsenzvorlesung im Auditorium Maximum (Klingelgasse/Ecke Liboristraße) der Theologischen Fakultät Paderborn oder als Online-Vorlesung. Die Vorlesungen können jeden Montag um 18.00 Uhr im Livestream verfolgt oder später in der Mediathek abgerufen werden.

Das Programm

19. Oktober 2026

Einführung: (In-)humaner Glaube? Eine alte Frage auf der Suche nach aktuellen Antworten
Prof. Dr. Annemarie Pilarski

26. Oktober 2026

Toxische Bibelhermeneutiken? Maßstäbe einer verantworteten Exegese im Kontext von Missbrauch und Vertuschung
Prof. Dr. Judith König

2. November 2026

„Ich gab ihnen Gesetze, die nicht gut waren.“ (Ez 20,25). Destruktive Potentiale der Religion aus der Sicht des Alten Testaments
Prof. Dr. Michael Konkel

9. November 2026

Den Menschen anerkennen. Die sozialphilosophische Theorie der Anerkennung und ihr kritisches Potential für die Theologie
Dr. Markus Adolphs

16. November 2026

(In-)humaner Jesus? Licht und Schatten der jesuanischen Ethik
Prof. Dr. Peter Schallenberg

23. November 2026

Abraham, das Schwert und der Engel. Ambivalenzen des Religiösen seit der Spätantike
Prof. Dr. Andreas Merkt

30. November 2026

Religion und Kultur. Allianz, Konflikt und Autarkie
Prof. Dr. Dr. Andreas Koritensky

7. Dezember 2026

„Die Religion ist der Inbegriff aller guten Taten“ (ʿUmar as-Suhrawardī). Mit Sufismus zu einem spirituellen Humanismus im Islam
PD Dr. Raid Al-Daghistani

14. Dezember 2026

„Gute“ vs. „schlechte“ Religion? Versteckte Vorurteile im interreligiösen Gespräch
Dr. Lukas Wiesenhütter

21. Dezember 2026

Ressource oder Risiko? Religiosität und psychische Gesundheit
Prof. Dr. Christoph Jacobs

11. Januar 2027

(In-)humane Liturgie? Potentiale und Ambivalenzen des Rituellen
Prof. Dr. Benedikt Kranemann

18. Januar 2027

Theologien, die verletzen. Die Notwendigkeit einer Vulneranzhermeneutik
Prof. Dr. Ute Leimgruber

25. Januar 2027

(In-)human über Sexualität und Missbrauch sprechen. Eine Problemanzeige am Beispiel der ‚Märtyrerinnen der Reinheit‘
Prof. Dr. Nicole Priesching & Prof. Dr. Annemarie Pilarski

Kontakt Montagsakademie

© ThF-PB

Prof. Dr. Annemarie Pilarski

Leiterin der Montagsakademie
Telefon: +49 5251 121-755
© Sandra Scholz | ThF Paderborn

Maria Voß

Sachbearbeiterin Lehrstuhl
© ThF PB

Heike Probst

Referentin Presse-/Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 5251 121-720