Die letzte Vorlesung des Durchgangs knüpft ebenfalls an das Thema Missbrauch an und stellt dabei einen ‚Sonderfall‘ des kirchlichen Umgangs mit Opfern sexuellen Missbrauchs ins Zentrum: Die Verehrung von Frauen und Mädchen, die bei einem sexuellen Übergriff getötet wurden, als ‚Märtyrerinnen der Reinheit‘. Paradigmatisch ist hier der Fall der 12-jährigen Italienerin Maria Goretti († 1902), die in der Nachkriegszeit selig- und heiliggesprochen wurde. Die Vorlesung nimmt das Phänomen der Verehrung von ‚Reinheitsmärtyrerinnen‘ – auch als Paderborner Lokalphänomen – in den Blick und versucht, darüber eine historische Perspektive auf kirchliches Sprechen über Sexualität und Missbrauch zu gewinnen. Am Ende soll die Frage stehen: Wie (in-)human ist diese Sprache – und wie wirkt sie bis heute nach?
Prof.in Dr. Nicole Priesching ist seit 2012 Professorin für Kirchen- und Religionsgeschichte an der Universität Paderborn und Leiterin des Forschungsprojekts „Missbrauch im Erzbistum Paderborn – Eine kirchenhistorische Einordnung“. Die Vorlesung geht aus einem gemeinsamen Seminar von ihr und Prof.in Dr. Annemarie Pilarski zur Geschichte des Konzepts „Martyrium“ hervor.