Die Kirche hat sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil dem interreligiösen Dialog verpflichtet. Dieser Paradigmenwechsel gilt zu Recht als Erfolgsgeschichte. Zugleich kann der Religionsbegriff verschleiern, welche Vorannahmen dabei wirksam sind: Wer gilt warum als Dialogpartner – und wer nicht? Welche religiösen Praktiken übersehen wir, weil sie nicht unseren eigenen Vorstellungen von guter und humaner Religion – oder von Religion überhaupt entsprechen? Marianne Moyaert bezeichnet die Dynamik, religiöse Vielfalt aus der eigenen Perspektive zu ordnen und zu bewerten, als ‚religionization‘. Der Vortrag stellt Moyaerts kritische Analyse vor und fragt nach Konsequenzen für eine katholische Theologie, die sich weiterhin dem interreligiösen Dialog verpflichten will.
Dr. Lukas Wiesenhütter vertritt seit dem Wintersemester 2026/27 den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft. In seinen Forschungen setzt er sich besonders mit dem interreligiösen Dialog auseinander und nimmt komparativ-theologische Perspektiven auf zentrale systematisch-theologische Fragen, etwa zur Theodizee-Problematik, ein.