Der Skandal des Missbrauchs und des Umgangs damit hat das Vertrauen in die institutionellen Strukturen der Kirche(n) tief erschüttert und deutlich gemacht: Ein ‚Weiter so‘ kann es nicht geben. Doch inwiefern trifft das auch auf die Theologie zu? Wie kann – oder: muss – sie sich zur Tatsache verhalten, dass in den Berichten von Missbrauchsbetroffenen immer wieder auch theologische Motive und Deutungsmuster als Legitimations- und Normalisierungsstrategien aufscheinen? Die Vorlesung plädiert dafür, auch die Rolle der Theologie im Missbrauchskomplex kritisch zu hinterfragen. Als Analyseinstrument wird dabei der Begriff der Vulneranz (als aktive Fähigkeit, zu verwunden) in den Mittelpunkt gestellt: Ziel der Vorlesung ist es, eine Typologie vulneranter Theologien zu entwickeln, die als ‚hermeneutische Brille‘ eine humanisierende Selbstreflexion der Theologie ermöglichen soll.
Prof.in Dr. Ute Leimgruber ist seit 2019 Professorin für Pastoraltheologie und Homiletik an der Universität Regensburg und forscht schwerpunktmäßig zu spirituellem und sexuellem Missbrauch an erwachsenen Frauen. Ihre Forschungsergebnisse bringt sie auch kirchenpolitisch zur Geltung: etwa in ihrer Funktion als beratendes Mitglied der Pastoralkommission (III) der Deutschen Bischofskonferenz.