Die Bibel gilt der Kirche als Gotteswort im Menschenwort (vgl. Dei Verbum 12-13). Ihre dadurch begründete hohe Autorität wurde und wird jedoch auch in missbräuchlichen Konstellationen dazu benutzt, Missbrauch zu legitimieren, unsichtbar zu machen oder das Leid Betroffener zu spiritualisieren. Die Bibel kann toxisch wirken. Diese Erfahrung nimmt die Vorlesung als Anfrage an die biblische Hermeneutik ernst und spürt den Ambivalenzen und Gefahrenpotentialen biblischer Texte nach. Dabei wird deutlich, dass es nicht nur um sachgemäße und verantwortungsvolle Wege der Auslegung biblischer Texte geht, sondern auch um die Frage, welches Verletzungspotential die Bibel in ihrer Eigenschaft als normativer Text selbst birgt.
Prof.in Dr. Judith König vertritt seit dem Sommersemester 2026 den Lehrstuhl für Exegese und Hermeneutik des Neuen Testaments an der Universität Regensburg. Gemeinsam mit Wolfgang Grünstäudl ist sie Herausgeberin des Sammelbandes „Toxische Bibelhermeneutiken? Bibel, Missbrauch und die Verantwortung der Exegese“, der 2027 bei Kohlhammer erscheinen wird.